Mysterien. Teil 2: Die Wiederkehr von Twin Peaks

Endlich hatte ich die Gelegenheit, mir die dritte (und wohl letzte) Staffel der stilbildenden Fernsehserie Twin Peaks anzuschauen. Sie trägt, so jedenfalls mein Eindruck, wieder deutlich stärker die Handschrift von David Lynch. Szenerien, Kameraführung und Bildaufbau erinnern an Filme wie Lost Highway und Mulholland Drive. Auch diese Staffel stellt das Unheimliche in den Mittelpunkt, ist deshalb Mystery im klassischen Sinne. Allerdings setzt sie mehr auf das unmittelbare Erschrecken und spielt mit Gefühlen des Grusels und stellenweise auch des Ekels, Elemente die eigentlich eher zum Horror-Genre gehören. Wahrscheinlich bildet dies aber lediglich die Veränderung der Sehgewohnheiten und der emotionalen Grundstimmung von Rezipienten und Rezipientinnen in den letzten 25 Jahren ab. Offenbar müssen heute, zumindest im US-amerikanischen Fernsehen, Grusel-Effekte vorhanden sein, um überhaupt noch das Gefühl des Unheimlichen aufkommen zu lassen. Möglicherweise spielt hier der alltägliche Horror auf den Straßen und in den Schulen der USA eine Rolle. Dass es auch anders geht, zeigt beispielsweise der österreichische Spielfilm Hotel von Jessica Hausner aus dem Jahre 2004. Er kommt ohne jede Effekthascherei aus, gehört dabei aber – insbesondere aufgrund der von ihm extrem dicht ausgearbeiteten Grundstimmung – zu den unheimlichsten Filmen, die ich kenne. Ein klassischer Vertreter des Mystery-Genres.

Soweit zu Film und Fernsehen. Unten haben ich ein paar meiner Arbeiten (primär aus den letzten Jahren) zusammengestellt, die dieser spätmodernen Tradition des Unheimlichen folgen. Manche haben, auch von der Entstehungsgeschichte her, einen unmittelbaren Bezug zur Welt von Twin Peaks, andere sind mit ihr lediglich über mehr oder weniger lange Assoziationsketten verbunden. Für alle aber gilt, dass sie jener Form des Mysteriums nachspüren, die sich als jenes unspezifisches Gefühl des Unheimlichen manifestiert, das uns Menschen entwicklungsgeschichtlich seit langem begleitet. Es bringt uns bis heute recht verlässlich dazu, dem mit Misstrauen zu begegnen, was wir zunächst nicht zu erkennen vermögen. Der Hinweis von David Lynch (im Bonusmaterial zur DVD-Fassung der Serie) „Augen auf den Donut, nicht auf das Loch!“ ist dabei eher als kontrafaktischer Rat anzusehen, der uns dazu bringen soll, genau das Gegenteil zu tun. Das Unheimlich manifestiert sich nämlich meist dort, wo auf den ersten Blick gar nichts zu sehen ist: In der Leerstelle. Also schauen wir mal genauer hin …

(Diesen Beitrag widme ich meiner verschollenen Kunstfreundin Perla. Wo bist Du?)

Da_draußen_im_Wald

Da draußen im Wald (2016)

Die_Mahnung

Die Mahnung (2015)

Gefangen

Gefangen (2018)

Moma

Moma (2018)

Erzwungene_Ekstase

Erzwungene Ekstase (2014)

 

 

Bob_in_meinem_Kopf.jpg

Bob in meinem Kopf (2002)

Beitragsbild (oben): Zwei Mysterien (2008)

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