Hommage an Georg Trakl

Zwei Wölfe im finsteren Wald

Mischten wir unser Blut in steinerner Umarmung

Und die Sterne unseres Geschlechts fielen auf uns.

(Georg Trakl: Passion, 1. Fassung)

 

Erst kürzlich stieß ich wieder auf das Werk von Georg Trakl. Anlass, mich noch einmal näher mit dem österreichischen Dichter (1887–1914) zu beschäftigen, war der in mehr als einer Hinsicht grandiose Kinofilm „Tabu. Es ist die Seele ein Fremdes auf Erden“ von Christoph Stark aus dem Jahre 2012. Es ist die Geschichte der Geschwister Georg und Grete Trakl, mit betörender Intensität dargestellt von Lars Eichinger und Peri Baumeister. Im Mittelpunkt des – zwar fiktionalisierten aber wohl nicht gänzlich fiktionalen – Dramas steht die inzestuöse Beziehungen zwischen den Trakl-Geschwistern … eine unauflösbare Melange aus emotionaler Abhängigkeit, moralischer Verzweiflung und gemeinsamer sexueller Obsession. Unabhängig von seinem Wahrheitsgehalt (meines Wissens ist die Frage, ob Georg und Grete Trakl, die begnadete Musikerin, eine manifeste sexuelle Beziehung unterhielten, in der Literatur umstritten) erleichtert die vom Film aufgestellte psychodynamische Kernthese einer krankhaft symbiotischen Geschwisterbeziehung das Verständnis des dichterischen Werkes von Trakl  nachhaltig. Durch den Film hat sich mir die für diesen Künstler typische Mischung aus düsterer Metaphorik und überbordend andeutungsreicher Sprache noch einmal ganz anders erschlossen. Wer sich einen Abend lang mitreißen und nicht zuletzt auch seelisch-moralisch verwirren lassen will, dem sei dieser Film nachdrücklich empfohlen.

Als Beleg dafür, dass dieses Filmwerk große Teile des Publikums verstört zurückgelassen hat, kann die Tatsache gelten, dass der Film bis heute, Ende 2018, keinen eigenen Eintrag im dominierenden Online-Lexikon Wikipedia besitzt, das sich ansonsten ja gerade dadurch ‚auszeichnet’, dass über jede noch so irrelevanten Marginalie der modernen Welt ausufernd berichtet wird. Im Gegensatz zu einigen anderen vermeintlichen ‚Tabus’ (der psychologische Begriff ist heute zu einem fast beliebigen Schlagwort verkommen) scheint der Geschwister-Inzest für weite Teile unserer Kultur immer noch unerträglich – und deshalb auch auf Wikipedia unaussprechlich.

Zu diesem zentralen Thema des Film vermag ich, das muss ich zugeben, künstlerisch leider nichts beizutragen – immerhin habe ich aber einige Bilder in meinem Archiv gefunden, von denen ich denke, dass sie zum Werk von Georg Trakl passen. Zumindest in meinem persönlichen Assoziationsraum ist der Zusammenhang augen- bzw. denkfällig.

 

Der_Andere

Der Andere

 

Nirgendwo

Nirgendwo

 

Innere_Gefangenschaft

Innere Gefangenschaft

 

Hinter_dem_Spiegel

Hinter dem Spiegel

 

Beitragsbild (oben): Eine Leere in der Fülle

 

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