Abjekte (abject art)

In ihrer Studie „Pouvoirs de l’horreur“ aus dem Jahre 1980 führt die in Frankreich lebende Philosophin und Tiefenpsychologin Julia Kristeva den theoretischen Begriff des Abjekts ein. Darunter versteht sie Themen/Objekte, auf die der einzelne Mensch mit einer solch massiven Ablehnung reagiert, dass jene Abjekte dauerhaft nicht zum Gegenstand der Kommunikation gemacht werden können. (Der Begriff selbst kommt vom lateinischen „abicere“ = von sich werfen, womit bereits gesagt ist, wie die Subjekte mit den entsprechenden Themen bzw. Objekten umgehen.) Wie Kristeva die Entstehung solcher Abjekte erklärt, ist an dieser Stelle nicht so wichtig (wer mag, kann dies im genannten Buch nachlesen) – entscheidend ist vielmehr, dass es neben den von ihr untersuchten subjektiven offenbar auch kollektive bzw. kulturelle Abjekte gibt: Objekte oder auch Themen, über die die meisten Menschen nicht sprechen mögen bzw. können. In der Kunst allerdings geht das schon… hier hat sich eine eigene Stilrichtung herausgebildet, die sich mit jenen ‚Dingen‘ (im weitesten Sinne) beschäftigt, die im Alltag nicht oder nur unter Mühen aussprechbar sind, weil sie durch tief verwurzelte psychische Mechanismen „abgewehrt“ werden (hier wird die Herkunft des Konzepts aus der Tiefenpsychologie des zwanzigsten Jahrhunderts deutlich).

In meinem heutigen Beitrag geht es allerdings nicht um so radikale künstlerische Konzepte des ‚Abgewehrten’, wie wir sie etwa bei Lennie Lee, Kira O‘ Reilly oder Joel Peter Witkin finden. Ich habe hier vielmehr einige Bilder zusammengestellt, die aus dem Rahmen der üblichen Ästhetisierung der Fotokunst fallen – sozusagen ‚Abjekte in Anführungszeichen’.

Mein Dank geht an die Tänzerin Andrea, die wie immer gänzlich unerschrocken auch das performativ ins Licht setzen konnte, was gewöhnlich aus bildästhetischen Gründen verborgen bleibt.

 

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(Serie ‚abject art‘ – ohne Titel)

 

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(Serie ‚abject art‘ – ohne Titel)

 

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(Serie ‚abject art‘ – ohne Titel)

 

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(Serie ‚abject art‘ – ohne Titel)

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