Absentia – oder Meditation der Unachtsamkeit

Eine Welle der ‚Achtsamkeit‘ überschwemmt seit Jahren nicht nur Freiburg. Ausgelöst und hochgestaut wird sie von diversen Einführungen und Workshops, Schulungen und Retreats zur so genannten Achtsamkeitsmeditation. In ihnen geht es – meist für viel Geld – um die nachhaltige Fokussierung des Bewusstseins, etwa auf das eigene Schnauben (wie bei der Vipassana-Meditation). In den Brennpunkt des Geistes geraten kann dabei so gut wie alles und jedes. Das dahinter stehende Versprechen: Durch Achtsamkeit werden wir zu besser funktionierenden Menschen, weil wir unsere Aufgaben im Alltag konzentrierter und deshalb mit größerer Erfolgschance erledigen können. Etwa – um hier meist schamhaft ausgeblendete Beispiele zu nutzen – als Investmentbroker oder als Scharfschütze. Ziel sind in dem einen Fall maximale Profit-, im anderen Fall maximale Tötungsraten. Beides in unserer Kultur höchst willkommene Fertigkeiten.

Wer dies anders bewertet, könnte es ab und an mit der gegenteiligen Strategie versuchen: Unachtsamkeit. Und für die möchte ich heute werben. Nämlich dafür, sich einfach mal im Haus des eigenen Verstandes schlendernd zu verlieren, nicht zu fokussieren, sondern zu dissoziieren. Der Verstand schweift ziellos, der Raum der inneren Wahrnehmung öffnet sich ins Unendliche. Wenn dies einem Modell im fotografischen Akt gelingt, sind die Ergebnisse oftmals verblüffend. Also aus Warte des Fotokünstlers: ein Hoch auf die Unachtsamkeit!

 

Katja

Katja

 

Frieda

Frida

 

Petra

Petra

 

Ulla

Ulla

 

Nachfrage von Milan: Ist das, was Du hier ‚Absentia‘ nennst, das Gegenteil von Ekstase, um die es Dir fotografisch ja immer wieder geht?

Kytom: Darüber muss ich ein wenig nachdenken…

Weitere Nachfrage von Milan: Und ist das eine geschlechtstypische Fertigkeit?

Kytom: Es scheint fast so. Bei männlichen Modellen habe ich das noch nie beobachten bzw. fotografieren können. Ich denke, das hat etwa mit Rollenbildern und unserer Zurichtung in der Kindheit zu tun.