Im Schutz der Maske: Selbstbildnisse in Corona-Zeiten

Corona macht vieles anders. Seit Jahren wird politisch über ein Vermummungsverbot im öffentlichen Raum diskutiert. Den naheliegenden – in der Debatte aber gern ausgesparte – Hintergrund bilden die neuen Technologien der Gesichtserkennung, die es ermöglichen werden, Menschen auf Straßen und Plätzen zu jeder Zeit automatisch zu identifiziere. Ganz plötzlich ist diese Debatte aus der Welt und statt eines Vermummungsverbots sind wir mit einer Vermummungspflicht konfrontiert: Mund-Nase-Verschleierung für alle… zumindest in Geschäften, Bussen und Bahnen. Doch eine Maskenpflicht im gesamten öffentlichen Raum könnte durchaus noch kommen. Zur möglichen epidemiologischen Sinnhaftigkeit einer solchen Vermummung kommt eine höchst erfreuliche Nebenwirkungen: Alle Versuche einer automatisierten Gesichtserkennung laufen nun ins Leere. Vor diesem Hintergrund wäre nur zu hoffen, dass diese Maskenpflicht ausgedehnt wird und uns lange erhalten bleibt.

Außerhalb dieses Kontextes bin ich allerdings eher kritisch, was die ‚große Maskierung’ angeht. Vieles, was in der Debatte über das Vermummungsverbot gesagt wurde, ist ja durchaus zutreffend: Zur Demokratie gehört es, sich in der Öffentlichkeit gleichsam mit offenem Visier zu begegnen. Gesicht zeigen und damit zu dem stehen, was man sagt und was man tut. Es kommt hinzu, dass die Masken wahrscheinlich eine Sicherheit vor Ansteckung vorgaukeln, die es gar nicht gibt… und im Zweifelsfalle sogar dazu verleiten könnten, andere Sicherheitsmaßnahmen (wie etwa Abstandsregeln) nicht mehr ernst zu nehmen.

Auf allen genannten Ebenen sind wir mit schwerwiegende Fragen konfrontiert, Fragen, die wir nicht nur Juristen und Politikerinnen überlassen sollten. Auch die Kunst – als wichtiges zivilgesellschaftliche Korrektiv – kann und sollte sich nach meiner Überzeugung hier einmischen. Ich beteiligte mich zunächst mit einem ganz persönlichen Statement an den Diskussionen über ‚die Maske’: Ich habe einige Selbstbildnisse mit meinem neuen ‚Funktionskleidungsstück’ gewagt. Mehr Zufall war es, dass meine Maske in ihrem mittlerem Stahlblau farblich perfekt auf meinen Lieblingshut abgestimmt ist – ein guter Grund, diesen gleich in die Inszenierung mit einzubeziehen. Nun wird es heißen: Kaum bricht die Krise aus, ist Kytom auch schon blau. Allerdings nur äußerlich. Wie ambivalent meine Gefühlslagen angesichts der aktuellen Maskenpflicht sind, lässt sich vielleicht an den Fotos ablesen. Auch wenn ein Großteil des Gesichts verborgen ist, verraten sie doch, so jedenfalls denke ich, eine Menge darüber, wie ich mich mit der Maske im Angesicht fühle.

 

 

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Im Schutz der Maske 04

 

 

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Im Schutz der Maske 43

 

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Im Schutz der Maske 53

 

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Im Schutz der Maske 51

Bild 51 ist zu verkaufen: Digitaldruck auf Leinwand, 50 * 40 cm, Exemplar 1 von 1, handsigniert (Preis auf Anfrage: kunst@kytoml.de)

 

Bild oben: Im Schutz der Maske 30

Da mir heute nicht nach Tanzen zumute ist und wir eben schon das Stichwort ‚blau’ hatten, heute ausnahmsweise kein Musik- sondern ein ROTWEIN-Tipp: La Colle Des Lignères (2015). Diesen und andere ganz vorzüglich Bio-Weine gibt es bei Delinat. Sehr empfehlenswert – nicht nur, aber gerade auch in der Corona-Krise!