Mensch und Maschine

Im Kontext der Arbeit am Thema Messing sind einige Werke entstanden, die in Richtung einer visuellen Verschmelzung von Mensch und Maschine weisen. Man kann dies als Warnung vor einem Cyborg-Zeitalter lesen – oder als futurologischen Hinweis darauf, wie die Zukunft der Menschheit (richtiger vielleicht: eine mögliche Zukunft) aussehen könnte. Dabei ist dieses Thema alles andere als neu. Einen kulturwissenschaftlichen Hinweis darauf liefert bereits der Bildtitel „Coppélia“. Er verweist auf das gleichnamige Ballett von Léo Delibes aus dem Jahre 1870 – ein Tanzstück, das bis heute auf vielen Ballett-Bühnen der Welt aufgeführt wird. Die Handlung lehnt sich an die Erzählung „Der Sandmann“ von E. T. A. Hoffmann (1816) an, in dem es um eine mechanische Puppe geht, in die sich ein junger Mann in Unkenntnis ihres ontologischen Status unsterblich verliebt. Die Erzählung von Hoffmann hat auch in der Wissenschaft Furore gemacht – als zentrale Referenz in Freuds Essay über „Das Unheimliche“ aus dem Jahre 1919. Hier dient Hoffmanns Erzählung als Ausgangspunkt tiefenpsychologischer Erörterungen der möglichen Quellen des Unheimlichen in der modernen Gesellschaft. Dieser Verweisungszusammenhang macht bereits klar, welche emotionale Qualität im Thema der künstlichen Menschen steckt. Sie bleiben uns immer ein Stück weit unheimlich. Dies gilt für diverse Formen mechanischer Puppen (etwa jene Coppélia, von der schon die Rede) ebenso, wie für die auf eher biologisch-medizinische Art erschaffene Humanoide, etwa jener im Roman „Frankenstein“ von Mery Shelley. Ein bedrohlich Potential scheint allen diesen künstlichen Wesen inhärent. Bildgewaltig inszeniert wird dies etwa im Filmklassiker „Metropolis“ von Fritz Lang. Alles in allem ist dies ein traditionsreicher kultureller Diskursraum in dem, zumindest von meiner Intention her, auch die Bilder der Serie „Mensch und Maschine“ zu verorten sind.

Shadowrun

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Metropolis No. 5

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Metropolis No. 6

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Coppélia

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Some want it darker

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Bild oben: Verschmelzung (Ausschnitt)

Musiktipp zu den Bildern: Dexter Gordon: Ballads (1995)