Trickster

Die Serie startet (Bild oben) mit dem Abbild des Narren aus meinem Tarot de la Forêt Noire. Diese Karte stellt sicherlich das dar, was dem Archetypus des Tricksters in einem Tarot-Deck am nächsten kommt. Die Figur des Tricksters repräsentiert nicht nur im magischen und spirituellen Denken der Moderne das Andere der Ordnung. In vielen traditionellen Gesellschaften finden wir eine Trickster-Figur in Form einer Gottheit oder eines mächtigen Geisterwesens. In den meisten dieser Mythologien ist der Trickster eine durch und durch ambivalente Gestalt: Er kann den Menschen (oder gar der Menschheit als solcher) helfend zur Seite stehen, er kann aber auch seinen Schabernack mit ihnen treiben. Nicht immer, aber oft genug werden dabei die Vertreter der weltlichen oder religiösen Ordnung Opfer seiner Scherze. So kann etwa in der deutschen Sagenwelt Till Eulenspiegel als eine mundane Trickster-Gestalt interpretiert werden. Zu den Besonderheiten dieser archetypischen Figur gehört, dass sie einfach nicht zu fassen ist. Immer wenn man glaubt, ihrer habhaft geworden zu sein (oder ihren Plan zu verstehen), schlüpfen sie einem wieder durch die Finger. Von daher ist es am besten, sich erst gar nicht mit dem Trickster anzulegen. Man kann nur gute Mine zum bösen Spiel machen… und darauf hoffen, dass man zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht sogar in den Genuss eines eher segenreichen Streiches kommt. Die Chance dafür ist allerdings umso größer, je weiter unter in der Hierarchie einer Gesellschaft die Betroffenen stehen. Die vornehmste Aufgabe des Tricksters scheint es zu sein, jede Ordnung umzuwerfen, das Oberste nach unten und das Unterste nach oben zu kehren. Der kreative Umgang mit kulturellen Gegensätzen, namentlich wenn sie mit Machtstrukturen verbunden sind, scheint das ideelle Grundprinzip des Wirkens des Tricksters überall auf der Welt zu sein. In der Hoffnung auf ihn und seine Streiche spiegeln sich nicht zuletzt die Wünsche der Machtlosen wider.

Für diesen Beitrag habe ich einige Arbeiten ausgesucht, die ich mit diesem Archetypus assoziere. Mein Dank gilt einmal mehr meinem Freund Milan, der für die meisten der Bilder als Modell herhalten musste.

Steampunk 4

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Unter Beobachtung

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Sein Schatten

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Milan in Pans Labyrinth

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Unheimliche Zwillinge

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Musiktipp zur Bilderserie:

L’Arpeggiata/Christina Pluhar: Giovanni Girolamo Kapsberger – La Villanella (2000)

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