Fremde Bilder

Normalerweise vermag ich auch nach zwanzig Jahren noch auf den ersten Blick zu sagen, ob es sich bei einem Bild um eines meiner Werke handelt. Dies gilt nicht nur für jene besonderen Bilder, die sich stark in mein Bildgedächtnis eingebrannt haben, sondern es betrifft auf die vielen tausend Werke, die ich zwar aktiv nicht erinnere, die passiv (im Sinne einer sofortigen und sicheren Erkennbarkeit) jedoch fest in meiner Erinnerung verankert sind.

Es gibt jedoch Ausnahmen. Das sind Werke, auf die ich beim Durchforsten meines Bildarchivs stoße und bei denen sich diese übliche Vertrautheit nicht einstellen mag. Ist dieses Bild wirklich von mir? Die Art der Bearbeitung, der Bildname oder die Serie, zu der es gehört, belegen dies eindeutig. Ich vermag mich aber nicht zu erinnern, dass ich dieses Bild jemals vorher gesehen, geschweige denn dass ich es selbst erschaffen hätte. Mein heutiger Beitrag ist einigen in dieser Weise fremden Bildern gewidmet. Ich vermag hier nicht zu sagen, ob sie mir vom Moment der Entstehung an fremd waren oder erst im Laufe der Zeit einem Prozess der Ent-Fremdung (etwa in Form einer Art Speicherfehler meines Erinnerungssystems) unterworfen gewesen sind. Sie werde damit zu Überraschungsfunden im strengen Sinne – Bilder, die ich nicht nur nach langer Zeit wiederentdeckt habe, sondern bei denen ich mich auch darüber wundere, das sie zu meinem Werk gehören. Dabei ist mir selbst nicht einsichtig, welche Qualität es ist, die mir jene Bilder hat so fremd werden lassen.

(Wegen dieses Gefühls der Befremdung habe ich mich auch geweigert, den einzelnen Bildern Namen zu geben.)

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Musiktipp zu den Bildern: Leonard Cohen: The Stranger Song (aus dem Album: Songs of Leonard Cohen, 1968)